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30.06.2022
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Kurzeme (Kurland)

          Geografie. Die kulturhistorisch interessante Region Kurzeme liegt im Westen Lettlands. Sie umfasst den Liepāja-, Kuldīga-, Ventspils-und Talsi-Rayon sowie den größten Teil des Saldus- und Tukums-Rayons. Rayon ist die alte Bezeichnung für Landkreise.
          Die westliche Küste Kurlands stößt ans Baltische Meer, im Nordosten grenzt sie an den Rigaer Meerbusen. Der Nordteil ist eine natürliche Halbinsel, bekannt als Kurische Halbinsel. Das Meer nimmt in Kurland stärkeren Einfluss auf Lebensgewohnheiten von Mensch und Tier als anderswo in Lettland. Das Klima ist feuchter, die Temperaturschwankungen sind mäßig. Der kurische Winter ist mild, der Sommer vergleichsweise kühl.
          Die geografische Lage hat zu allen Zeiten die Migrationprozesse der Bevölkerung bestimmt und die Beziehungen zu den Nachbarn sowie die kulturelle Entwicklung entscheidend beeinflusst. Vor den Anfängen der christlichen Seefahrt schützte das Meer Kurland als natürliche Grenze, seine Osthälfte hingegen schotteten die dichten, sumpfigen Wälder der zemgalener Ebene vor unerwünschten Einflüssen ab. Daher entwickelten sich zunächst vor allem die Beziehungen zu den südlichen Nachbarvölkern, etwa denen des heutigen Litauen und des späteren Ostpreußens. Diese Gegenden waren recht leicht zu erreichen.
          Mit Beginn der Schiff-Fahrt knüpften die Kuren rasch Kontakte zu den überseeischen Völkern. Diese Verbindungen trugen zur Entwicklung staatlicher Strukturen sowie zu Handel und Kultur spürbar bei. Eine ethnische Durchmischung fand jedoch wegen der trennenden Ostsee nicht statt. So ist die Bevölkerungsstruktur bis heute weitaus stabiler geblieben als in Latgallen. Bräuche und folkloristische Traditionen, wie die Art der Volkstrachten, sind in weitgehend ursprünglicher Form erhalten geblieben.
          Landschaftlich ist Kurland relativ uneben. Im Gegensatz zu Livland und Latgalen sind höher gelegene Flächen nicht weitläufig. Die Höhenunterschiede liegen mit 80-150 m über denen der beiden anderen Regionen. Daraus entstanden großförmige Landschaftsreliefs.
          Reichliche Niederschläge lassen viele Flüsse entspringen, der Zusammenfluss zu größeren Flüssen wird jedoch durch den Höhenanstieg in der Nähe des Meeres-weitgehend verhindert. Eine Ausnahme ist allerdings die Venta mit ihrem Nebenfluss Abava. Beide entspringen im Innern der kurländischen Hochebene mit ihren tiefen und breiten Tälern. Der Vielzahl strömender Gewässer steht eine Armut an ruhenden Wassern gegenüber. Größter See ist der Usmas-See, der in der Venta-Usma Mulde liegt.
          Geschichte. Nach Auffassung schwedischer Archäologen entwickelten sich um das Jahr 400 n. Chr. reguläre Beziehungen zwischen baltischen und altschwedischen Stämmen. Zwischen 650 und 850 haben in Grobiņa, möglicherweise auch in Kapsēde, schon schwedische und gotländische Siedlungen bestanden. Die darauf folgenden Streifzüge der Wikinger in Kursa (Curonia) von dem 7. Jh. an begünstigten die Entwicklung von Kriegskunst und frühen staatlichen Neubildungen. In seiner »Dänischen Geschichte« erwähnt Sachse Grammatiker, Liven hätten an dänischer Seite um 750 an der Schlacht in Samland teilgenommen. Kuren hingegen kämpften auf schwedischer Seite. In Texten des Erzbischofs Rimmert von Hamburg und Bremen schließlich ist von fünf kurischen Ländern in einem gemeinsamen Staat die Rede. Näheres über das alte Curonia ist dem Vertrag zwischen dem päpstlichen Vize-Legaten Balduin von Alnas und dem kurischen Herrscher Lameckinus zu entnehmen. Aus dieser »Lameckunus rex et pagani de Curonia« geht hervor, dass Kursa in mehrere Länder, Provinzen und Dörfer unterteilt war. Es war die Absicht von Papst Gregorius IX., neu christianisierte Länder mit Hilfe des Legaten direkt dem Papstturm zu unterwerfen. Der 1202 gegründete Orden der Schwertbrüder, das Rigaer Domkapitel und der Rat wollten im Jahre 1230 mit dem Abschluss eines Friedensvertrages neun Länder Ostkursas (Vanema) unter ihre Herrschaft bringen. Doch die Kuren versuchten, jede Gelegenheit zu nutzen, sich von der Fremdherrschaft zu befreien.
           In den folgenden Jahrzehnten beteiligte sich der Orden mit beträchtlichem militärischen Aufwand an der Eroberung Kursas. Der Verbund errichtete Mitte des 13. Jh. in Kuldīga als Garnisonssitz eine Burg. Die hegemonialen Bestrebungen des Ordens wurden vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, dem Hohenstauffer Friedrich II., unterstützt. Schon 1242 setzte der Legat des Papstes, Bischof Wilhelm, fest, dass zwei Drittel des eroberten kurischen Gebiets dem Orden zufallen sollten. Der Bischof konnte sich das verbleibende Drittel einverleiben. 1253 wurde das Land entsprechend dieser Absprache aufgeteilt. 1260 musste der Orden in der Schlacht bei Durbe seine schwerste Niederlage des Jahrhunderts hinnehmen. Bald darauf folgte der große Preußenaufstand unter der Führung von Herkus Mantas. Auch die Bewohner Saaremaas erhoben sich. Für kurze Zeit gelang es den Kuren, sich des Ordens zu entledigen. 1267 war die Zeit der Freiheit jedoch beendet. Ordensmeister Otto zu Lutherberg schloss den Frieden. Die Kuren mussten einen hohen Preis bezahlen, sie verpflichteten sich zur Unterordnung, Abgaben mussten entrichtet und Fron geleistet werden.
          Bis 1561 gehörte Kurland zur Konföderation der livländischen Staaten. Bis 1795 wurde es Teil des 1715 von deutschen Truppen besetzten Herzogtums Kurland und Semgallen. Danach gehörte das Gebiet zum Gouvernement des russischen Imperiums. Heute ist es ein Teil der Lettischen Republik.

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