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30.06.2022
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       Kuldīga (Goldingen)

          »Herz von Kurland« - so wird das Malerparadies Kuldīga gerne bezeichnet, das an beiden Ufern der Venta mit ihrem herrlichen Rumba-Wasserfall gelegen ist. Die Stadt trennt rund 150 km von Riga und zählt zu den schönsten Touristenzielen in Lettland.
          Geschichte. 1242 gab der Papstlegat Bischof Wilhelm dem Orden das Recht, an der Venta Burg und Stadt zu errichten. Dietrich von Groningen gilt als Baumeister der ältesten Ordensburg Kurlands. Von 1242 bis 1245 wurde sie am linken Ventaufer, vis à vis des Rumba-Wasserfalls, erbaut. Die Festung entwickelte sich zum kurländischen Verwaltungszentrum der Komture des Ordens. Die in unmittelbarer Nähe gelegene Siedlung wuchs rasch zur Stadt heran und wird als »oppidum« 1263 erstmals urkundlich erwähnt.
          Mitte des 14. Jh. erhielt Kuldīga Stadtrechte wie Rīga und trat der Hanse bei. Nachdem die Livländische Konföderation aufgelöst wurde, stieß Kuldīga 1561 zum Kurländischen Herzogtum. Herzog Gotthard Kettler hielt sich häufig in der Burg auf. 1596 wurde das kleine Reich schließlich unter Kettlers beiden Söhnen aufgeteilt: Friedrich erhielt Semgallen sowie die Stadt Jelgava (Mitau), Wilhelm konnte sich Kurland und Kuldīga einverleiben. Für die Stadt war dies der Beginn einer Blütezeit, die jedoch nur zwanzig Jahre anhielt. Dann büßte Wilhelm seine Macht ein, er unterlag opponierenden Adligen. Mit dem Übergang Kurlands und Semgallens in die Hände Friedrichs wurde Jelgava zur Hauptstadt des Herzogtums.
          Den Status eines Residenzschlosses erlangte die Festungsanlage zur Regierungszeit Herzog Jakobs (1642-1682). Dies beschleunigte die Entwicklung der Stadt. Bis 1680 stieg die Einwohnerzahl auf 3 000 an. Handwerksbetriebe entstanden, eine kleine Werft, Kali- und Salpetersiederein und auch eine erste Papiermühle nahmen ihre Arbeit auf. Die Blütezeit endet jäh. Nach dem Nordischen Krieg (1700-1721) verdrängten Liepāja und Ventspils Kuldīga als Handelszentrum. Ein großer Teil der Handwerkerschaft verließ zudem aus Protest gegen übermäßig hohe Abgaben die Stadt.
          Nach dem Anschluss an Russland 1795 wurde Kuldīga zur Kreisstadt erklärt. Doch wirtschaftlich kam sie nicht wieder auf die Beine. Erst 1878 - nach dem Bau einer Brücke über den Wasserfall - entstanden in nennenswertem Umfang neue Betriebe. Abseits günstiger Straßenverbindungen gelegen, verlief die Entwicklung Kuldīgas freilich recht langsam.
          Sehenswürdigkeiten. Im Skulpturenpark am linken Venta-Ufer sind die Fragmente eines altertümlichen Kreuzgewölbes erhalten geblieben. An dieser Stelle stand die erste Ordensburg aus dem 13. Jh. Das Gewölbe ist jedoch das einzige Teilstück des einst mächtigen zweistökkigen Konventbaus, das die Zeitläufe überstanden hat. Nachdem die Anlage zu Beginn des 18. Jh. verlassen worden war, schritt der Verfall rasch voran. 1735 errichtete die Stadt aus den Steinen der Festung in dessen Nähe das Schlosswart- oder Henkershaus am ehemaligen Exekutionsplatz. Der Bau blieb erhalten (Pils iela 4).
          Der Sage nach lebte einst ein Zauberer auf dem Grundstück des Henkershauses. Jener verdarb es sich mit dem Satan. Der rachsüchtige Teufel füllte daraufhin einen Sack mit Steinen, um das Haus des Magiers zu verschütten. Mit Hahnengeschrei gelang es dem Bedrohten, die Macht des Bösen zu verschrecken. Das Geröll landete deshalb in der Venta. So sei die Stromschnelle entstanden - der Stolz von Kuldīga. Sie ist mit 110m einer der breitesten Wasserfälle Europas. Die Höhe des Rumba-Wasserfalls beträgt 2 m.
          Ein zweiter Flusslauf durchquert Kuldīga, die Alekšupīte. Ihr Unterlauf fällt unweit der Venta-Mündung gut 4 m tief ab. Das beeindruckendes Wasserspiel ist zugleich das größte Lettlands. Nebenan steht die sehenswerte Burgmühle. Sie wurde 1807 wieder aufgebaut. Auf dem gegenüberliegenden Ufer, in der Baznīcas iela 34, befindet sich ein weiterer interessanter Bau aus dem 17. Jh., der seinerzeit den Oberschlossherrn beherbergte.
          Wenige Schritte entfernt wartet die lutherische St. Katharinenkirche auf Kunstinteressierte Besucher. Ursprünglich im 14. Jh. errichtet, wurde sie 300 Jahre später infolge einiger Brandschäden wesentlich umgebaut und erweitert. Das heutige Interieur erhielt die Kirche gegen Ende des 17. Jh. Der Altar und die Kanzel wurden 1660-1663 vom bekannten Schnitzer Nicolas Söffrens d. Ä. gemeinsam mit dem Tischler Engelein Tissen angefertigt. Die Stücke gelten als hervorragende Kunstwerke des Manierismus. Der prächtige Orgelprospekt stammt von Cornelius Rahneus d. J. und entstand 1712-1715. Die heute gespielte Orgel wurde von der Frankfurter Firma Sauer 1882 gebaut und installiert.
          Von der St. Katharinenkirche führt der Rundgang über die südliche Baznīcas iela zum Rathausplatz. Die Wegstrecke führt an einigen historisch bedeutsamen Gebäuden vorbei. Hinter der Hausnummer 17 etwa verbirgt sich das Anwesen des einstigen Bürgermeisters Steffenhagen. Seine Geschichte erzählt von einem Besuch des schwedischen Königs Karl XII. im Jahre 1702. Die unter der Vordertreppe eingebaute Lade ist vermutlich ein Zeugnis dieser Begegnung. Einen Steinwurf weit entfernt steht das älteste Fachwerkhaus Kuldīgas, die ehemalige herzogliche Hofapotheke, die 1986 restauriert wurde.
          Der Rathausplatz wird seit rund drei Jahrhunderten in Schriftstücken erwähnt. Um den Platz herum mischen sich alte und neue Gebäude, zwei in verschiedenen Epochen erbaute Rathäuser prägen den Platz heute. Fehlt noch, das älteste Wohnhaus Kuldīgas zu erwähnen. Es steht in der Baznīcas iela 7, wurde 1670 errichtet und siebzig Jahre später umgebaut.
          Nicht weit vom Rathausplatz entfernt erhebt sich die katholische St. Dreieinigkeitskirche (Rainis iela 6). Ihre Grundsteinlegung feierte der Sakralbau 1641. Herzog Jakob legte dabei selbst Hand an. Äußerlich schlicht wirkend findet sich im Innern die wohl prachtvollste Einrichtung des gesamten Landes. Wahre Kunstschätze sind die Skulptur »Madonna mit dem Kind« aus dem 16. Jh., der bemalte Beichtstuhl (1691), die Kanzel (Beginn des 18. Jh.), zwei im Rokoko-Stil gestaltete Seitenaltäre von 1777 und der zentrale Altar, der dank Spenden des Zaren Alexander 1.1818-1820 errichtet wurde.
          In der Dzirnavu iela 14 befindet sich die lutherische Kirche St. Anna. Sie entstand 1899-1904 nach einem Entwurf des Architekten Wilhelm Neumann.
          Bemerkenswert ist auch ein monumentaler Bau in der Liepāja iela 31. Zwischen 1886 und 1915 befand sich hier das Lehrerseminar. Viele prominente Künstler und Autoren wurden hier ausgebildet: die Schriftsteller Vilis Plūdonis (1874-1940) und Valdis (eigtl. Valdemārs Zalītis, 1865-1934), der Maler Pauls Irbītis (1890-1937), der Sänger und Musikwissenschaftler Jēkabs Kārkliņš (1867-1960) und viele andere.

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