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30.06.2022
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Liepāja (Libau)

          Im Südwesten Lettlands liegt die Ostsee-Stadt Liepāja. Ihre wirtschaftliche Entwicklung wurde durch die geografische Lage begünstigt. Liepājas Hafen blieb eisfrei; deshalb konnte die Stadt zu einem Zentrum von Verkehr, Industrie und Kultur avancieren. Touristen zieht es vor allem an den breiten, herrlichen Strand. Mit etwas Glück findet der Spaziergänger im Ostseesand ein Stück Bernstein.
         
Geschichte. Schon im 13. Jh. bestand an der Mündung des Līva ein kurisches Dorf mit einem natürlichen Hafenbecken. In Dokumenten wurde Līva bereits 1253 erwähnt, als das Dorf dem Orden zugeschlagen wurde. Der Hafen blieb allerdings allgemein frei zugänglich. Als der Orden in der Schlacht bei Durbe 1260 eine empfindliche Schlappe hinnehmen musste, fielen der Hafen sowie der angrenzende Küstenstreifen an den Bischof von Kursa. 1300 erkämpfte sich der Orden die Liegenschaften zurück. Die Herrscher vernachlässigten Līva in dieser Zeit, der Ort blieb wirtschaftlich rückständig.
          Der heutige Name wird seit 1560 verwendet und entstand aus der deutschen Bezeichnung Libawe. Daraus wurde zunächst Libau, dann das lettische Wort Liepāja. In jenem Jahr musste der Ordensmeister Gotthard Kettler die Region an den Herzog von Preußen verpfänden. Diese Neuordnung hielt bis ins Jahr 1609. Dann konnte sich Kurlands Herzog Wilhelm einer prächtigen Mitgift erfreuen. Die von ihm geehelichte Tochter des preußischen Herrschers brachte das Gebiet als Aussteuer ins neue Heim.
         
1625 sprach Friedrich Liepāja das Stadtrecht zu. Der wirtschaftliche Aufschwung hielt damals bereits einige Jahre an. Im Seehandel genoss die Stadt eine Monopolstellung. Viele ausländisehe Firmen ließen sich im werdenden Zentrum nieder. Mit Frankreich, England und anderen westeuropäischen Staaten wurden Handelsverträge unterzeichnet. Der Bau eines modernen Überseehafens wurde damit erforderlich. Den Entwurf für diese Anlage arbeitete der holländische Wasserbaumeister Adrian aus. Geldmangel verhinderte jedoch die Umsetzung. Als Schweden die Region eroberte, wanderten die Pläne für geraume Zeit in die Ablage der Stadtverwaltung. Knapp 40 Jahre später, 1697, ließ Herzog Friedrich Kasimir die Zeichnungen wieder aus der Schublade holen. Sechs Jahre währte die Bauzeit. Unterdessen wurden rund um den Hafen Wohnhäuser errichtet, das Stadtzentrum verlagerte sich langsam aber stetig in die Umgebung des heutigen Rosen-Platzes. Ein alles andere als vorteilhaftes Handelsabkommen mit Russland verbot den Getreideexport über die Häfen von Liepāja und Ventspils. Das warf die Stadt in ihrer Entwicklung um Jahre zurück. Es kam zu Unruhen. Pächter und Gesellen probten Ende des 18. Jh. - die französische Revolution als Vorbild - den Aufstand.
          Bei der dritten Teilung Polens verzichtete der kurländische Herzog Peter Biron zugunsten Russlands auf das Herzogtum. Liepāja wurde für das zaristische Imperium zu einer wichtigen Hafenstadt. Doch der erhoffte Aufschwung blieb aus. Der Stadt fehlten im Gegensatz zu Memel und Königsberg ausgebaute Verkehrswege ins Inland. Die Situation änderte sich rasch, nachdem 1876 die erste Eisenbahnlinie nach Romny eingeweiht worden war. Nunmehr war eine Anbindung an die Ukraine und den Schwarzmeergebieten gegeben. 1860-1904 wurde der Hafen saniert und erweitert. Im gleichen Zeitraum schritt die Industrialisierung der Region voran. Pelz-, Textil- und Metallbetriebe siedelten sich an. 1899 setzte sich hier die erste Straßenbahn des Baltikums in Bewegung. Bald blühte die Stadt auch als Kurort auf. Prächtige Villen, Kurhäuser und Badeanstalten zeugten von Prosperität.
         
Gegen Ende des Jahrhunderts zog es auch das Militär nach Liepāja. Ein Militärhafen sowie eine Festungsanlage dienten der Konstruktion erster U-Boote. Während des Ersten Weltkrieges besetzten deutsche Truppen die Stadt. Bei Kriegsende lag die Wirtschaft ruiniert am Boden. Als am 18. November 1918 die Regierung der Lettischen Republik Rīga auf der Flucht vor den Bolschewisten verlassen mussten, wurde Liepāja mehrere Monate lang zum Sitz der Exil-Regierung.
          Die in den Jahren der Unabhängigkeit Wiederaufgebaute Wirtschaft ging im Zweiten Weltkrieg abermals zu Boden. Zuvor hatten reichliche Investitionen aus dem Ausland zu einer kurzen Blüte geführt. Erst in der Nachkriegszeit gelang es, wieder eine zentrale Rolle in Industrie und Hochseefischerei, in Verkehr und Kultur einzunehmen. Als westlicher Vorposten der Sowjetunion gelangte Liepāja in den Rang eines des strategisch bedeutsamsten Militärstützpunkts der UdSSR. Heute setzen die Stadtväter wieder auf die Handelsschifffahrt als Existenzgrundlage Liepājas.
          Sehenswürdigkeiten. Es ist empfehlenswert, einen Stadtrundgang auf dem direkt im Zentrum befindlichen Alten Marktplatz (jetzt: Kurenplatz) zu beginnen. Hier erhebt sich majestätisch die lutherische St. Annenkirche. Errichtet wurde sie gegen Ende des 16. Jh., knapp hundert Jahre darauf umgebaut - mit einem massiven Steinturm mit hoher Spitze. 1697 schuf der Holzschnitzer Nikolaus Söffrens d. J. (1662-1710) einen monumentalen Altaraufsatz. Die dreistöckige Komposition ragt nahezu 10 m in die Höhe und gehört zu den wertvollsten Schätzen der Kirche. Sie zählt zu den wichtigsten barocken Meisterwerken in Osteuropa. Das heutige Aussehen erhielt der Bau im letzten Viertel des 19. Jh. Der Turm wurde seinerzeit erhöht, und ein neues Gemeindehaus mit l 400 Plätzen kam neu hinzu.
          Unweit des Alten Marktplatzes befindet sich in der
Krišjāņa Valdemāra iela 25 die katholische Kirche. Einer Überlieferung zufolge hat Herzog Ernst Johann Biron dem polnischen König 1737 versprochen, innerhalb einer Jahresdekade ein katholisches Gotteshaus zu errichten. Das Versprechen geriet zu vollmundig, erst 1762 wurde der Sakralbau eingeweiht. Die heutigen architektonischen Formen und Ausmaße erhielt die dreischiffige Basilika beim Umbau 1894-1896. Faktisch kam diese Veränderung einem Neubau gleich. Barock und Rokoko sind die in der Halle vorherrschenden Kunststile.
          Weiter führt der Rundgang über den Rožu-Platz in die Zivju iela. Im Hof des Hauses Nummer 4-6 steht eine Speicheranlage aus dem 17. Jh. Der Speicher wurde 1690 erbaut, noch vor dem Ausbau des Hafens. Das Vorratslager ist als Block auf einem steinernen Sockel errichtet worden. Auf dem Dachboden wurden Waren gelagert. Auffällig ist die Dachkonstruktion, deren stark ausgeprägter Überhang sich auf eine Holzgalerie stützt. Interessant ist auch die reich verzierte Eingangstür.
          In der Kungu iela 24 befindet sich in der Nähe das ehemalige Heuersche Hotel. Es gilt als eines der ältesten Wohnhäuser der Stadt. 1697 gab sich Zar Peter I. die Ehre und stieg auf der Durchreise in der Herberge ab. Der schöne Holzbau mit dem prächtigem Fachwerkgiebel und einem steilen Ziegeldach steht wie die meisten Häuser auf einem Steinsockel.
           Neben dem Hotel steht das Wohnhaus (1699) von Bürgermeister Joachim Schröder. In den Genuss seiner Gastfreundschaft kam 1700 der schwedische König Karl XII. Das aus Ziegeln und Feldsteinen erbaute Haus hat ein hohes Sockelgeschoß, das für Lagerräume, Werkstätten und Läden vorgesehen war. Unweit der Kungu iela befinden sich zwei Häuser des einstigen Bürgermeisters Stender. Die nebenan verlaufende Straße erhielt später seinen Namen. Die in der zweiten Hälfte des 18. Jh. errichteten Heime veranschaulichen den wirtschaftlichen Fortschritt zu jener Zeit. Wohlhabende Bürger waren in der Lage, großzügige Bauten zu finanzieren. Die Prosperität zeigt sich auch in der künstlerischen Gestaltung. So ist etwa die Wohnfläche des Hauses Stender iela 11 durch die Errichtung eines weitläufigen Mansardegeschosses beinahe verdoppelt worden. Einige Meter weiter steht das zweite Haus des Honoratioren, ebenfalls sehr auffällig und davon zeugend, dass das Stadtoberhaupt nicht zu den ärmsten Bewohnern zählte. Das ornamentverzierte Portal wird von Kunsthistorikern dem Bildhauer Joseph Slawitzek zugeschrieben.
         
Weiter führt der Weg in die Baznīcas iela. Mit der evangelischen St. Dreieinigkeitskirche erhebt sich dort eines der markantesten und eindrucksvollsten Bauwerke. Grundsteinlegung war 1742, Einweihung 1758. Die Bauarbeiten hat der Königsberger Maurermeister Johann Christoph Dorn gemeinsam mit seinem Landsmann Johann Michael Fröhlich geleitet. Die Innenarchitektur des dreischiffigen Hallenbaus erinnert -ungeachtet seines Turmes - eher an ein Schloss denn an einen Sakralbau.
              Hinunter geht es zum Hafen. Die altertümlichen Winkel an den Kaimauern werden gern von Künstlern als Ausstellungsort genutz
t. In der Jāņa iela l steht einer der wenigen verbliebenen Speicher aus dem 18. Jh.
              Liepājas Einwohner zieht es zur Erholung in den rmala-Park im Westen der Stadt. Die Anlage ist 1870 angelegt worden. Damals wurden auf dem Wall, der die Stadt vor dem Dünensand schützen sollte, Linden gepflanzt. Die weitere Gestaltung des Parks lag in den Händen des städtischen Parkdirektors Georg Kuphaldt (1853-1938). Seine Gesamtfläche beträgt rund 50 ha.

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