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30.06.2022
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Daugavpils (Dünaburg)

          Die »südöstliche Metropole« Lettlands, die Stadt Daugavpils, liegt an der Daugava (Dūna), etwa 220 km von Rīga entfernt. Nach der Einwohnerzahl und dem Industrievolumen ist sie die zweitgrößte Stadt Lettlands. Hier kreuzen sich fünf Eisenbahnlinien, sechs Autobahnen, hier gibt es einen Flughafen und einen Schiffshafen. Früher war Daugavpils auch einer der wichtigsten und der am stärksten befestigte militärstrategische Orte der Region. Die Touristen kommen von überall her, um die Festung von Daugavpils, ein Denkmal von osteuropäischem Rang, zu besichtigen.
          Geschichte. Während des Livländischen Krieges besetzten die russischen Heere 1577 auch die Burg Dünaburg, die am rechten Ufer der Daugava, 19 km oberhalb der heutigen Stadt lag. Die Einwohner der Wohnsiedlung flüchteten zum See Šuņezers, wo sie ein neues Städtchen bauten. Im Jahr 1582, als der Krieg zu Ende war, verlieh König Stephan Bathory als Zeichen seiner Dankbarkeit ihm für die Treue das Stadtrecht von Magdeburg, das keine andere Stadt dieser Region besaß.
           Nach dem Waffenstillstand zwischen Russen und Stephan Bathory kam Daugavpils (damals Dünaburg) 1582 unter Polen (administrativ wurde es in die »Provincia Livoniae trans Dunensis« eingegliedert). 20 Jahre war Ruhe in der Stadt, aber schon 1600, als der Polnisch-Schwedische König begann, eroberte der Söder-mannländer Herzog Karl die Stadt. Mit reichlicher Beute kehrte er nach Schweden zurück. Da Polen in diesem Krieg das ganze Livland bis zum Aiviekste-Fluß verlor, waren die polnische Verwaltung und die katholischen Missionare, Jesuiten, gezwungen, Unterkunft in Latgale zu suchen. Als Verwaltungssitz wählte der Starost von Latgale mit seinen Missionaren die Stadt Daugavpils. 1630 gründeten die Jesuiten hier ihre Residenz, und schon nach einem Jahr wurde die erste Schule Latgales eröffnet. Doch schon 1654, als der Krieg zwischen Rußland und Polen wegen der Ukraine ausbrach (auch Schweden nahm daran teil), wurde Daugavpils wieder Kriegsschauplatz. 1656 wurde die Stadt vom russischen Zaren Alexei Michailowitsch besetzt, geplündert und niedergebrannt.
          In der Hoffnung, die Stadt für immer in ihren Händen behalten zu können, beeilten sich die Russen, sie in Borisoglebsk umzubenennen. Doch sollten sie schon nach der Unterzeichnung des Andrusowa-Friedensvertrages 1667 die Stadt wieder verlassen. Das Gebiet, das aus den Daugavpils-, Ludza-, Vilaka-Starosteien bestand, wurde jetzt endgültig Polen angeschlossen. Als König Jan Kasimir 1677 Latgale zum Fürstentum erhob, wurde Daugavpils Hauptstadt und administratives und geistiges Zentrum des Gebietes. Im Jahre 1669 nahm die Residenz der Jesuiten wieder ihre Tätigkeit auf, 1685 wurde Daugavpils auch Sitz des Bistums.
          Eine dramatische Wende brachte der Nordische Krieg mit sich. Sächsische, russische, litauische und schwedische Heere durchstreiften Daugavpils nacheinander. 1710 schleppte die hier untergebrachte Garnison die Pest ein, und in den darauffolgenden Jahrzehnten litt die Stadt mehrmals unter Überschwemmungen und Feuersbrünsten. Holzbauten der Jesuitenresidenz, Werkstätten, Schulen und anderes brannten nieder. Im Jahre 1737 begann man, die Steinbauten des Klosters und der Kirche zu errichten, die 1768 vollendet wurden.
           1772 wurde Latgale nach der ersten Teilung Polens Rußland angegliedert. Um sich hier zu etablieren, plante Rußland die Errichtung einer mächtigen Festung in der Stadt. Obwohl das Bauprojekt schon 1778 bestätigt worden war, setzte die Regierungskommission ihre Beratungen fort, bis 1810 ein anderes Projekt angenommen -wurde. Den Jesuiten wurden ihre Liegenschaften, ihr Bodenbesitz, das Klostergebäude und die Kirche abgekauft, da sie sich auf dem ausgewählten Gelände befanden. Um es freizusetzen, mußten auch die Hausbesitzer ihren Boden verkaufen und einige Kilometer die Daugava aufwärts siedeln. An diesem neuen Ort entstand gleichzeitig mit der Errichtung der Festung (das dauerte die ganze Hälfte des ersten 19. Jh.) auch das historische Zentrum der heutigen Stadt.
          1826 verlegte man die Hauptpoststraße Warschau-Wien von Druja nach Daugavpils, und die erste Zeichentelegraphenlinie ging durch die Stadt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurde Daugavpils wiederum zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt: Im Jahre 1860 verband die Eisenbahnlinie Daugavpils mit St. Petersburg, 1861 mit Rīga, 1862 mit Warschau, 1866 mit Orol und 1873 mit Siauliu. Die Landstraße St. Petersburg-Warschau durchquerte die Stadt, und 1892 wurde hier die Schiffverkehrslinie mit Witebsk eröffnet. In Daugavpils entstanden viele Eisenbahnwerkstätten, es entwickelte sich die Industrie, das Handwerk und insbesondere der Handel.
           Schwere Verluste erlitt die Stadt im Ersten Weltkrieg. In den kommenden Jahrzehnten konnte die Stadt ihre frühere wirtschaftliche Bedeutung nicht wiedergewinnen, hauptsächlich deshalb, weil die meisten Verkehrsadern in die Verwaltung von mehreren souveränen Staaten überging - Lettland, der UdSSR, Polen und Litauen.
          In den Jahren der Unabhängigkeit Lettlands (1918-1940) wurde Daugavpils zum bedeutendsten Zentrum des Handels, der Industrie und des Handwerks in Ostlettland. Hier wirkten auch eine Reihe von Kultur- und Bildungsanstalten. 1921 erhielt Daugavpils sein eigenes Theater.
          Nach dem Zweiten Weltkrieg begann man die Industrieentwicklung zu intensivieren, deren Hypertrophie einen Arbeitskräfteandrang aus der ganzen UdSSR förderte, der in der Stadt eine unausgeglichene demoskopische Situation schuf.
           Sehenswürdigkeiten. Die Festungvon Daugavpils ist das einzige in ihrer Art erhaltene Vorbild von Schutzbauten aus der ersten Hälfte des 19. Jh. in Osteuropa. Die Bauarbeiten wurden 1810 anstelle der früheren Befestigung aus dem 16-18. Jh. nach dem Entwurf des Ingenieurs /. Heckel begonnen. Die Arbeiten verliefen unter ungünstigen Bedingungen auf einem niedrigen sumpfigen Gelände. Schon 1811, am Vorabend der napoleonischen Invasion, wurde der Neubau zu einer Festung ersten Ranges erklärt; doch im Krieg 1812 konnte sie noch keine besondere Geltung haben. Nach der Vertreibung der französischen Armee aus Rußland wurden die Bauarbeiten von neuem aufgenommen und bis Mitte des 19. Jh. fortgesetzt, obwohl schon 1833 eine symbolische Einweihung der Festung stattgefunden hatte. Das ganze Ensemble bestand aus den auf dem Innengelände der Festung errichteten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden im russischen Empirestil (Architekt: Alexander Staubert) sowie aus der Jesuitenkollegi-umskirche und einem Wohngebäude aus dem 18. Jh. Die äußeren Befestigungsanlagen bestanden aus Wällen, acht Bastionen, Ravelins, dem äußeren Schutzwall mit verdecktem Weg und einem Glacis am rechten Ufer der Daugava sowie aus dem Befestigungssystem der Vorderbrücke am gegenüberliegenden Ufer des Flusses. Für die Verteidigungsbauten ist meisterhaft bearbeiteter Feldstein verwendet worden.
          Während des Zweiten Weltkrieges wurde das schöne barocke Architekturdenkmal, die Jesuitenkollegiumskirche, zerstört. Die anderen der vorher erwähnten Befestigungsanlagen und Bauten kann der Tourist noch heute besichtigen.
          Das historische Zentrum von Daugavpils (Dünaberg), die ehemalige neue Vorstadt bildete das 1828-1830 erbaute administrative Gebäudeensemble. Es ist charakteristisch, daß in den Entwürfen zu diesem Gebäude Architekt Alexander Staubert Vorbilder der Fassadenzeichnungen verwendet hat, die speziell für den Städtebau des russischen Imperiums geschaffen worden waren. Ein charakteristisches Beispiel der in ganz Rußland verbreiteten Architektur des späten Klassizismus ist auch das Gebäude der ehemaligen Realschule (1835-1840).
          Die Erlaubnis, die katholische St. Petrikirche zu bauen, bekam der Adel der Stadt schon 1838, der Bau -wurde zehn Jahre später vollendet. Das architektonische Antlitz der Kirche erinnert mit ihrer mächtigen Kuppel an den St. Petersdom in Rom.

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