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30.06.2022
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Cēsis (Wenden)

          "Das Herz von Vidzeme", Cēsis, liegt im westlichen Teil der Zentralen Hochebene von Livland an den Ufern der Gauja, 90 km von Riga. Durch die Schönheit der Umgebung und ihre berühmte Vergangenheit ist die Stadt zu einem Anziehungspunkt für die Touristen geworden.
          Geschichte. Burgberge und archäologische Ausgrabungen zeugen davon, dass Cēsis und die Stadtumgebung schon im Altertum besiedelt waren. Bereits im 9.-12. Jh. stand hier auf dem Riekstu-Berg, am Handelsweg der Gauja, eine befestigte Burg. Urkundlich wird die Stadt 1206 in der Chronik von Henricus de Lettis erwähnt, in der die Ankunft des Priesters Daniel als Missionar bei den Wenden beschrieben wird. Auf dem heutigen Stadtgelände haben damals auch die Lettgallen gelebt. Die deutsche Benennung Wenden stammt vermutlich vom Namen des wendischen Dorfes Wendekülla, aber der lettische Name Cēsis hat sich aus dem livischen Wort kesti, das heißt »jenseits« - mit Bedeutung jenseits der Gauja - herausgebildet.
          Zu Beginn des 13. Jh. baute sich am Riekstu-Berg der Schwertbrüderorden seine Festung, und seit Ende des 13. Jh. machten die Ordensmeister Cēsis mehrmals (1297-1330; 1429-1434; 1418-1561) zu ihrer Residenz. Bis 1224 hatte sich bei der Burg ein Dorf herausgebildet, das schon im 13. Jh. das Stadtrecht erhielt. 1413 beschrieb der flämische Reisende Chillebert de Lannou Cēsis als eine große, von einem Schutzwall umgebene Stadt.
          Durch das Erstarken der Ordensmacht entwickelte sich Cēsis zu einem bedeutenden Handelszentrum und wurde Hansemitglied. Die Stadt besaß ihre eigene Verwaltung und zwei Gilden. Der Ordensmeister hielt in Cēsis die Jahresversammlungen ab und empfing ausländische Missionen; ihre Verhandlungen führten hier auch die Vertreter aus anderen Städten der Livländischen Konföderation durch.
           Ein schwerer Schlag für das Wohl der Stadt war der Livländische Krieg (1558-1583), insbesondere die vom russischen Heer verursachten Verwüstungen im Jahre 1577, nach der Besetzung der Stadt und der Burg. 1582 kam die Stadt gemäß dem Friedensvertrag zwischen Russland und Polen unter polnische Herrschaft, und die Stadt konnte für kurze Zeit erleichtert aufatmen. Doch einen neuen Schaden erlitt Cēsis während des Polnisch-Schwedischen Krieges (1600-1629) und des Nordischen Krieges (1700-1721) wie auch bei den großen Feuersbrünsten 1671 und 1748. Ihre Übergabe durch den schwedischen König Gustav Adolph II. an seinen Kanzler Axel Oxenstierna kam ihr nicht zugute. Im Jahre 1747 beglückte mit ähnlicher Geste Zarin Jelisaweta den Grafen Bestuschew-Rjumin. Er betrachtete das Stadtgelände als seinen Besitz, verbot vielen Stadtbürgern nach dem Feuersbrand des Jahres 1748, Wohnhäuser zu erbauen, verleibte den größten Teil der Stadt in das Schlossgelände ein und ließ Straßen aufgraben und mit Getreide besäen. Erst nach dem Jahre 1759 begann sich die Stadt allmählich wieder zu beleben, nach dem der Senat Russlands, die verzweifelten Bittschriften der Einwohner beachtend, der Stadt die Unabhängigkeit und die früheren Privilegien zurückgegeben hatte. Das Schloss und das Schlossgut kamen 1920 in den Besitz der Grafen Sievers.
          1785 wurde Cēsis Kreisstadt. Das Aufblühen des Handels und Handwerks begünstigten den Zufluss von Einwohnern, den Kapitalumsatz und die Erweiterung der Stadtbebauung. In der Mitte des 19. Jh. gab es in Cēsis 2 000 Einwohner, Ende des 19. Jh. bereits 6 500 Einwohner. Die Stadtentwicklung beeinflusste auch die Errichtung der Landstraße Cēsis-Drabeši (1868) und der Eisenbahnlinie Rīga-Valka (1898) günstig.
          Im Jahre 1879 kam an die Stelle des Stadtrates nach den Gesetzen Russlands ein gewählter Magistrat, in dem die Letten 1897 die Mehrheit errangen. 1906 gab es im Stadtmagistrat nur Letten. Nach der Proklamierung der Unabhängigkeit Lettlands wurde 1918 in Cēsis die erste Einheit der nationalen Armee, die Kompanie von Cēsis, organisiert, 1919 fanden hier die Kämpfe gegen die Landeswehr statt, die eine entscheidende Bedeutung in der Befreiungsgeschichte Lettlands hatten.
          Während des unabhängigen Lettlands war Cēsis das bedeutendste Zentrum des öffentlichen und kulturellen Lebens der Umgebung und eine der wohlhabendsten Städte Lettlands.
Sehenswürdigkeiten. Als bedeutendstes Zeugnis der Geschichte ist die Ruine der Ordensburg für Touristen interessant. Es gibt Urkunden, die belegen, dass die Ritter des Schwertbrüderordens anfänglich bei den Wenden in ihrer Burg auf dem Riekstu-Berg gelebt, 1218 aber ihre eigene Steinburg erbaut haben. Schon im 14. Jh. sollen sie ihre Burg den Anforderungen der Ordensverfassung entsprechend zu einem Konventbau, der alles Notwendige für das Leben der Ordensbrüder enthielt, umgebaut haben, mit Kapelle, Kapitelsaal, Eß- und Schlafräumen und anderem.
          Ende des 15., Anfang des 16. Jh. ließ der Ordensmeister Walter von Plettenberg die Burg befestigen, indem das Befestigungssystem den Anforderungen der neueren Zeit angepasst wurde. Die Burg erhielt die runden Schutztürme, es wurden einige Konventgebäude umgebaut und große Bauarbeiten in den Vorburgen unternommen. Der Ordenssaal, er befindet sich im westlichen Teil der Burg, erhielt damals sein prachtvolles Gewölbe im Stil der späten Gotik und die polychrome Wandgestaltung, die die Besucher der Burg noch heute besichtigen können.
          Großer Schaden wurde der Burg 1577 zugefügt, weil sie mehrere Tage hindurch vom russischen Heer beschossen wurde und die Burgverteidiger sie sprengen mussten, als sie die Angriffe nicht abwehren konnten. Nach dem Nordischen Krieg (1700-1721) wurde sie als Wehrburg nicht mehr genutzt. Im Jahr 1777 baute man auf dem Gelände der ersten und zweiten Vorburg, am Lademacher-Turm, das Neue Schloss. Ende des 18. Jh. und Anfang des 19. Jh. baute man in Schlossnähe mehrere Wirtschaftsgebäude wie das Vorratshaus und den Pferdestall mit dem Wagenschuppen. 1812 ließ Graf Karl von Sievers den Schlosspark gestalten, dessen Schönheit die Stadtbewohner und ihre Gäste noch bis heute erfreut.
           Der andere monumentale mittelalterliche Bau, der in Cēsis zu besichtigen ist, ist die lutherische St. Johanniskirche (1283-1287). Diese dreischiffige Basilika ist ebenso wie die Ordensburg aus Dolomit und Ziegeln, die vom Orte stammen, erbaut. In der Kirche befinden sich die Grabstätten von mehreren Ordensmeistern und bedeutenden Geistlichen, deren Grabmäler zum Wertvollsten der dekorativen Kunst des 15.-16. Jh. gehören. Besonders bemerkenswert sind die Reliefs am westlichen Portal der Basilika (13.-15. Jh.), das Grabmal des Bischofs Patricii Nidecki (1891) und das Altargemälde »Golgatha« (1858) von dem bekannten estnischen Maler Johann Koeler-Viliandi (1826-1899), der vor seiner akademischen Ausbildung seine künstlerische Laufbahn in Cēsis als Malergeselle begonnen hatte. Die Kirche besitzt eine von der weltbekannten Firma »E. F. Walker & Co im Jahr 1907 in Ludwigsburg hergestellte Orgel.
           Neben der Kirche sieht man in der Rīga iela 24 das älteste Wohnhaus von Cēsis (17. Jh. ?), das einst der ehemaligen Musik- und Gesangsgesellschaft »Harmonia« gehörte. In der Rīga iela 16 befindet sich ein zweistöckiges Steingebäude, ein Bau in traditioneller Dreiteilung mit dem sogenannten Mantelschornstein und dem Krüppelwalmdach. Dieses Gebäude baute um 1788 ein reicher Kaufmann als sein Wohnhaus um.
          In der Rīga iela 7 befindet sich das Rathaus (drittes Viertel des 18. Jh.) mit dem Stadtwappen an der Hausfassade. Es ist möglich, dass dieses Haus anfänglich andere Funktionen hatte und dass der Stadtrat es für seine Ziele später zu nutzen begann. Es ist ungewöhnlich, dass sich ein so wichtiges Amtshaus so weit vom Zentrum des alten Stadtteils befand.
          Wenn man zur Kreuzung der Rīga- und Pils iela gelangt, ist die Grenze der ehemaligen Stadtbefestigung erreicht, der Ort, wo einst das Raunas-Tor stand. In der nahen Vainu iela (16,18, 20,22) und Palasta iela sieht man noch stellenweise Reste des Schutzwalls.

 

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