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30.06.2022
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Limbaži (Lemsal)

          Die heutige Gegend von Limbaži war im 12. Jh. und am Anfang des 13. Jh. das Zentrum des livischen Landes Metsepole, mit der befestigten Lemisele-Burg und der Siedlung auf dem Berg Ķezberkalns. Als Bischof Albert die Länder der Livländischen Konföderation eroberte, wurde auch Metsepole unterworfen, die Burg abgetrennt und die Siedlung vernichtet. 1233 erbaute der Bischof unweit von Ķezberkalns seine Steinburg. In den nächsten Jahrhunderten war Limbaži die Residenz des Rigaer Erzbischofs für das sogenannte »livische Ende« bzw. das Gelände am rechten Gauja-Ufer. Hier verbrachte er ab dem Kerzentag 17 Wochen jährlich. Die Aufenthalte der hohen Amtsperson und seines Hofes in Limbaži zog Handelsleute und Handwerker an. In kurzer Zeit bildete sich hier an der Burg ein von der Schutzmauer umfasstes Dorf, dem im Jahr 1385 das Stadtrecht zuerkannt wurde. Limbaži trat dem Norddeutschen Kaufmannsund Städtebund - der Hanse - bei, und es begann hier ein reges wirtschaftliches Leben. In der Stadt waren mehrere Mönchs-Klöster tätig. Hier wirkte der Mönch Nikolai Ramm, der um 1530 die »Zehn Gebote« ins Lettische übertrug.
          Als die Kriege zwischen Polen, Schweden und Russen um das livländische Erbe begannen, wurde die Stadt nicht einmal ausgeplündert und niedergebrannt. Eine unerwartete Wende im Leben der Stadt zeichnete sich 1621 ab: Der schwedische König Gustav Adolph schenkte Riga die Stadt Limbaži als Zeichen seiner Anerkennung für den heldenhaften Verteidigungskrieg. Die unangenehme Abhängigkeit von Rīga brachte Limbaži auch einen gewissen Nutzen. Im letzten Viertel des 17. Jh. baute man in der Stadt zum Beispiel aus Mitteln des Rigaer Magistrats eine lutherische Kirche.
          Während des Nordischen Krieges hatte die Stadt Glück. Im Gegensatz zu anderen livländischen Städten vernichtete das russische Heer die Stadt nur deshalb nicht, weil es dem Feldherrn Grafen Scheremetjew ganz einfach nicht gelungen war, sie zu finden. Aber im Jahre 1747 verwüsteten Feuersbrünste Limbaži vollständig, und die ganze Stadt wurde bis auf vier Bauten ihr Opfer. Doch wie die Urkunden berichten, gab es 1773 in der Stadt bereits wieder 549 Einwohner. Eine völlige Unabhängigkeit von Riga gewann die Stadt erst 1877, nachdem das Städtegesetz angenommen worden war. Ende des 19. Jh. blühte die Stadt nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell auf. Auf Initiative des Lehrers, Publizisten und Komponisten der lettischen Staatshymne, Baumaņu Kārlis (1835-1905), wurde hier zum Beispiel die »Lettische Unterhaltungsgesellschaft« mit einem Chor, Theater und einer Bibliothek gegründet. Neue Impulse erhielt die Stadtentwicklung durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie Rīga-Rūjiena, die durch Limbaži führte.
         
Das älteste Zeugnis der Geschichte ist vermutlich die im 13. Jh. erbaute ßurg des Rigaer Erzbischofs, deren Ruine sich im Stadtzentrum befindet. In der Nähe der St. Johanniskirche gelegen, die schon von weitem zu sehen ist, ist die klostergemäße Struktur des Baus deutlich zu erkennen. Am besten sind der östliche Teil und der Wohnturm im nordwestlichen Teil der Burg erhalten. Eindrucksvoll ist die Fassade des nördlichen Korpus mit den Schießscharten, den gotischen Spitzbögen der Fenster und dem Haupttor der Burg.
          Östlich der Burg erhebt sich auf einem kleinen Hügel die lutherische St. Johanniskirche, die 1679-1680 nach dem Entwurf des Rigaer Architekten Rupert Bindenschu (1645-1698) erbaut wurde. In diesem eintürmigen Hallentypbau sind der Chor und der Gemeinderaum der lutherischen Sakralarchitektur entsprechend völlig vereint. Im Unterschied zu den kurländischen Kirchen, deren Exterieur ausgesprochen asketisch gestaltet ist, hebt sich die Fassade der Johanniskirche durch prächtige Verzierungen der Portale und durch breite Fensteröffnungen hervor. Eigenartig ist auch die Stellung des Turms - er scheint aus dem Dach- und dreieckigen Fassadengiebel emporzuwachsen. Die Kirche besitzt mehrere bemerkenswerte Kunstwerke: den vom Künstler August Gottlieb Heubel geschnitzten Holzaltar (l785), eine Reihe von verzierten Rokoko-Türen wie auch das ausdrucksvolle Altargemälde »Christi Himmelfahrt« (1877). Die Kirche verfügt über eine Orgel, die 1852 von dem aus Erfurt eingewanderten Orgelmeister August Martin (1808-1891) gebaut wurde.
          Im historischen Zentrum von Limbaži befinden sich interessante Architekturdenkmäler des 18. Jh.: die Kirche der schwedischen Garnison (1778 umgebaut), wie auch mehrere Wohnhäuser aus dem 18. und 19. Jh. Das Straßennetz der Altstadt und die Verteilung der Grundstücke ermöglichen es, sich die alte in den vielen Kriegen und Bränden zugrundegegangene Stadtbebauung vorzustellen.
          Dem Stadtbesucher wird empfohlen, auf dem Friedhof von Limbaži das Grabmal des lettischen Künstlers Baumaņu Kārlis zu besichtigen, das der Klassiker der lettischen Bildhauerei, Gustav Šķilters (1874-1954), schuf.

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