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02.07.2022
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Bauska (Bauske)

           Eine der ältesten und schönsten Städte Zemgales befindet sich 67 km südlich von Riga, dort, wo am Zusammenfluss der Mūsa und Mēmele die Lielupe entspringt. Man sollte diese Stadt an den felsigen Steilufern, in der neben der modernen Bebauung die eindrucksvolle Ruine der Ordensburg und andere beachtenswerte historische Denkmäler zu sehen sind, in seine Reiseroute einplanen.
         In historischen Quellen kommt der Name Bauska wohl erstmals 1443 vor, als der Livländische Orden hier seine Steinburg errichtete, um die südliche Grenze seines Staates und den wichtigen litauischen Handelsweg zu beschützen. Die Burg befand sich am Zusammenfluss der Musa und Memele auf der Insel Ķirbaksala. Hinter der Burg entstand auf einem dreieckigen Landstreifen ein Städtchen mit einer Kirche, einem Gasthaus und Wohnhäusern der Handels- und Handwerksleute. Das Gelände zwischen der Mēmele und der Musa war jedoch für das Städtchen zu schmal, und so ließ es der kurländische Herzog Gotthard Kettler 1584 auf das linke Ufer der Mēmele, auf die Furt gegenüber, versetzen. Im 17. Jh. entwickelte sich der Ort zu einem bedeutenden Zentrum des Handels und des Handwerks. Um 1609 bekam er das Stadtrecht verliehen, das 1635 durch neue Privilegien ergänzt wurde. Im 17. Jh. entwickelte sich eine reguläre moderne Stadtplanung. Es entstanden zwei von Querstraßen gekreuzte Hauptstraßen, die parallel zur Mēmele verliefen, das Rathaus in der Stadtmitte, zwei lutherischen Kirchen und eine einstöckige Wohnbebauung.
          Große Verluste erlitt Bauska während der Kämpfe des schwedischen Königs Gustav Adolf mit Polen und insbesondere während des Nordischen Krieges, zu dessen Beginn Karl XII. die Holzbauten der Stadt niederreißen ließ, um das Material für die Befestigung der Burg zu verwenden. Als 1706 Bauska in die Hände der Russen fiel, ließ Zar Peter I. die Burg sprengen und die Befestigungswälle dem Erdboden gleichmachen. Im Nordischen Krieg wurden zwei Drittel der Stadt zerstört. Das Elend der Einwohner vermehrte sich noch durch die darauffolgende Hungersnot und die Pestepidemie des Jahres 1710. Das Jahr 1812 richtete in der Stadt ebenfalls neues Unheil an. Durch Bauska rückte die Napoleonische Armee nach Russland vor. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh. begann sich die Stadt zu erholen, als sie zu einem der wichtigsten Zentren des Lein-, Getreide- und Viehhandels im fruchtbaren Zemgale wurde. Uno diese Zeit errichtete man in Bauska eine Wollspinnerei, zwei Sägewerke, eine Eisengießerei, eine landwirtschaftliche Werkzeugfabrik und andere Betreibe. 1914 gab es in Bauska 8 300 Einwohner.
          Es lohnt sich, den Stadtrundgang mit der Ruine der Ordensburg (1443-1456) zu beginnen, die sich auf einem 4 m hohen Dolomitfelsen am Zusammenfluss der Mēmele und Mūsa erhebt und schon von weitem zu sehen ist. Die Burg ist ein Kastelltypbau mit dem Tor an der östlichen Seite, das von zwei Türmen unterschiedlicher Größe umfasst wird. Im kleineren Turm hielt sich die Torwache auf, im größeren, etwa 20 m hohen Turm, befand sich der Kaminsaal mit dem Sterngewölbe, in dem offensichtlich der Vogt wohnte.
          An der östlichen Seite stand die Vorburg mit einem tiefen Schutzgraben. Umfangreiche Bauarbeiten wurden auf dem Gelände der Vorburg Ende des 16. Jh., während der Herrschaft Herzog Friedrichs, durchgeführt. Es wurden neue Wohngebäude gebaut und im Nordflügel die Wohnräume des Herzogs eingerichtet. Der Bau besaß ein prachtvolles Portal im Stil des Manierismus, seine Fassade schmückten in Stein geschmiedete Details und Brillantenrustika. An diesem Burgteil werden zur Zeit Restaurierungsarbeiten durchgeführt.
          Ein sehenswertes Architekturdenkmal ist die lutherische Heiliggeistkirche, die sich im historischen Stadtzentrum, in der V. Plūdons iela 13a, befindet. Der Sakralbau wurde für die örtliche deutsche Gemeinde 1591-1594 erbaut, der Turm mit seiner offenen Galerie kam 1614 hinzu (im 18. Jh. wurde dieser Bauteil stark verändert). An den architektonischen Formen, am Widerlager, an den Spitzbogenarkaden und am Kreuzgewölbe, kann man leicht die Reminiszenzen an den für die damalige nordeuropäische Architektur charakteristischen gotischen Stil erkennen. Der langgestreckte Gemeinderaum besitzt die für die katholischen Kirchen des Mittelalters typische Architektur, die den heiligen Gang zu Gott unterstreicht.
          Im Kircheninneren befinden sich großartige Kunstwerke des Barocks: das Epitaph für Joachim Hennig (1677), dessen Gestalter der Maler Dietrich von Zeitz war, das Gestühl mit den fünf allegorischen Malereien (1688) und das vom Tischler Christoph Vogt aus Bauska angefertigte Lesepult (1762). Das Rokoko ist durch die Kanzel (l 762), den Orgelaufsatz (l 766) und die bemalte Loge (1770) vertreten. In der Kirche befindet sich eine reiche Sammlung von Grabplatten im Stil des Manierismus. Außerdem sind Messingkronleuchter mit filigranen Gravierungen im Barock- und Rokokostil zu besichtigen.
        Im historischen Stadtzentrum kann man mehrere Wohnhäuser aus dem 18. Jh. (hauptsächlich in der V. Plūdons iela und in der Rīga iela) und auf dem ehemaligen Marktplatz das einstige Rathaus von Bauska (17. Jh.) sehen. Für die Errichtung des Rathauses hatten die Stadtväter die Genehmigung vom kurländischen Herzog Friedrich selbst erhalten. Später gestaltete man den Bau entscheidend um, das Obergeschoss und der Turm wurden abgetragen und die Räume des Erdgeschosses den Bedürfnissen eines Geschäfts angepasst.

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